Comic-Rezension 06/08

von ori • 29.05.2008 • Kategorien: Allgemein, Comics, Rezensionen

»Die Tollen Hefte: Ada | Die Flucht nach Abecederia.«
Die tollen Hefte sind allein vom Erscheinungsbild beachtenswert: Fadenheftung, Schutzumschlag und – tolle Beilagen! So gibt es zu »Ada« einen Bastelbogen und »Die Flucht nach Abecederia« bietet ein Schmuckbild als Beigabe. Der Inhalt der Hefte steht dem Äußeren in nichts nach.
In »Ada« illustriert der Comickünstler Atak farbenfroh bis an die Schmerzgrenze und manchmal die Augen heraus- oder gar überfordernd einen autobiografischen Text der Schriftstellerin und Sprachavantgardistin Gertrude Stein. Er ist ihrer langjährigen Lebensgefährtin Alice B. Toklas gewidmet und erzählt die Geschichte ihrer Liebe zueinander.
Stil(L) lebende Bilder in grobkörniger Farbpigmentierung lenken den Blick des Lesers aUf den Text – und gelegentlich auch aB. Dieser erfährt dabei durch typographische Hervorhebungen inHALTliche Akzentuierungen.
Comiczeichner und Illustrator Blexbolex erzählt von der mysteriösen Stadt Abecederia. Jeder der einzelnen Buchstaben des Alphabets illustriert grafisch in das Bild integriert und oft erst gar nicht wahrnehmbar ein Capitel der Geschichte.
Dunkel Eingetönte Farben, holzschnittartige Grafik – all das passt zu der Geschichte um Gangster, Gasmasken und einen größenwahnsinnigen Wissenschaftler, der mit Außerirdischen paktiert.
Heftchenkultur für Bibliophile – und vor allem I-J-K-L-M-N-O-P-Q-R-S-T-U-V-W-X-Y und Z. Bitte selber weiterspinnen…

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Getrude Stein & Atak: Ada, ISBN: 978-3-936-42848-3 | Blexbolex: Die Flucht nach Abecederia, ISBN: 978-3-940-11141-8 | beide: 32 Seiten, edition Büchergilde

»Perpetuum.«
Ein Überblick über das Schaffen österreichischer Comickünstler, an dem vor allem eines erfreulich ist: Vier Beiträge stammen von sonst in der grafischen Literatur eher unterrepräsentierten Frauen.
So erzählt Verena W.s »Sagn ma« in befremdlichen und scheinbar ungelenken Schwarzweißbildern von den ganz »normalen« Dingen, die Frauen alltäglich widerfahren. Vom selben ungemütlichen Charakter ist Borretschs »Blad«. Bedrückendes aus dem Leben einer von Essstörungen Gepeinigten, illustriert durch helle Konturen vor dunklen Hinter- und Abgründen.
Anders Tommis »Meta Comics«: Eine Fundgrube für Fans von Trash und reißerischen Titelbildern. Denn nichts anderes zeichnet der Künstler stilsicher; die Geschichten dazu muss man sich selbst zusammenreimen. Thematisch verwandt gibt sich Michaela Konrads Beitrag »Space Love«, der grafisch und farblich an SF-Comics der 50er-Jahre erinnert, textlich aber darüber hinaus reicht. Zukunftsliteratur.
Weitere Höhepunkte: Maurers »Allergiecomics« – schräger Humor, perfekter Strich und passende Farbgebung. Dasselbe gilt für Herausgeber Schaidreiters »Von belebten und unbelebten Dingen«.
Kriebaums »Kleiner Tod« übt sich in der Disziplin schwarzhumoriger, pantomimischer Kurzstrip und kann in allen Belangen mit großen Vorbildern mithalten. Nicolas Mahlers (Titanic; FASZ) Beitrag bietet gewohnt hohe Qualität.
Die restlichen Beiträge unterschreiten zumindest grafisch nie ein gewisses Niveau, allerdings fehlt hier manchmal die letzte erzählerische Finesse. Die Kolorierung der Farbbeiträge ist jedoch rundweg gelungen.
Farbenfrohes (und manchmal düsteres) Comicpanoptikum unserer Nachbarn.

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Hannes Schaidreiter (Hg.), Luftschacht, 344 Seiten, ISBN: 978-3-902-37332-8

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