Comic-Rezensionen 07/08

von ori • 25.06.2008 • Kategorien: Allgemein, Comics, Rezensionen

Die gesammelten Abenteuer des Großwesirs Isnogud – Buch 1
Normalerweise zitieren wir niemals aus den Presseinformationen der Verlage, aber diesmal machen wir eine Ausnahme: »In Frankreich ist Isnogud mittlerweile zu einem sprechenden Begriff geworden, sodass er nicht selten bei allzu ambitionierten Politikern mit geringer Körpergröße Verwendung findet.«
Das bietet die wunderschöne Gelegenheit einer Überleitung zu »Der kleinen Nick«, der ebenso wie »Asterix« und »Lucky Luke« aus der Feder des französischen Comicautors Goscinny stammt und in der Isnogud quasi das Licht der Welt erblickte.
»Isnogud« war nicht der Erfolg eines »Asterix« vergönnt. Vermutlich lag das daran, dass der Humor in den Erzählungen um den machthungrigen Großwesir, der, ja, Kalif anstelle des Kalifen werden will, immer etwas boshafter war und die Geschichten stets schlimm für Isnogud ausgingen, er aber in der nächsten Episode wieder unverdrossen seinem Ziel nachjagte, nämlich Kalif anstelle… Aber das wissen Sie ja jetzt.
Dieser absurde Verlauf war wahrscheinlich nicht nach dem Geschmack der meisten jungen Leser, die dann doch lieber das Festbankett mit Wildschwein unter der Dorfeiche oder den einsamen Cowboy bei seinem Ritt in die untergehende Sonne vorzogen.
Die Zeichnungen Tabarys sind im Stil frankobelgischer Comics der 60er-Jahre gehalten und entwickelten sich im Laufe der Jahre zu der perfekten Darstellung des geifernden Muselmanen, der uns vom Titel entgegen grinst.
Wäre übrigens im Kampf gegen den Terror, der ja von vielen fälschlicherweise mit diesem Kulturkreis gleichgesetzt wird, auch zu Propagandazwecken einsetzbar…

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Jean Tabary, Ehapa Comic Collection, 160 Seiten, ISBN: 978-3-7704-3169-4

Invisibles: Revolution gefällig?
Zu den besten Arbeiten Grant Morrisons zählen seine Werke aus den 90er-Jahren, in denen der Schotte den in Formalismen erstarrten US-Comichelden neues Leben einhauchte: »Animal Man«, »Doom Patrol« und vor allem »Arkham Asylum«, mit einem psychisch dysfunktionalen Batman. Jetzt erscheint ein weiteres Frühwerk: »Invisibles« – eine Eigenkreation.
Die »Invisibles«, ein Agententeam, sind durch alle Geschichtsepochen in einen Kampf mit einer gegnerischen Gruppe verwickelt, die dunkle Ziele verfolgt. Dabei pendelt Morrison zwischen Swinging-Sixties-Sozialrealismus als popkulturellem Stilmittel in »Tote Beatles« – von Steve Yeowell dem Zeitgeist angemessen in Szene gesetzt –, genretypischen und zum Teil abgenutzten erzählerischen Versatzstücken bei »Monster Royal« (die John Ridgway düster bebildert) und der metaphysischen Hochpoetik von »Arkadien« mit unroutiniert wirkenden Zeichnungen Jill Thompsons – eine unterhaltsame, intellektuell ansprechende Tour de force durch die Kulturgeschichte.
Die 120 Tage von Sodom werden durchlitten, der Marquis de Sade wird vom Team rekrutiert und die Rezeption seiner Bücher treffend charakterisiert. Auch die Dichter Byron und Shelley treten auf. Der unter dem Tod seines Kindes leidende Shelley, der deswegen seine Frau Mary vernachlässigt, wird daraufhin von dieser folgendermaßen porträtiert: »Es gibt viel zu sagen übers Hängen am Kreuz (…). Man muss nicht auf die Leute herabsehen, die unten weinen. Stattdessen kann man in den Himmel starren.«
Die Frau schrieb übrigens »Frankenstein«.

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Grant Morrison, Panini Manga und Comic, 320 Seiten, ISBN: 978-3-86607-571-9

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