Sport oder Leben

von jojo • 14.07.2008 • Kategorien: Allgemein, Literatur, Rezensionen

Wieso eigentlich Sport treiben? Dieser Frage geht Kabarettist und Comedian Stephan Bauer in seinem Erstlingswerk »Sport oder Leben« nach. Der Titel zeigt sich bei genauerer Betrachtung nicht einmal ungerechtfertigt. Es gibt kaum Fußballer, die sich noch nicht mit einem Bänderriss herumplagen mussten; die Jogger, die man allabendlich die Straßen entlang hecheln sieht, klagen über Knieschmerzen und Tennisspieler können mit besonders großem Stolz den Tennisarm vorweisen, der ihnen sogar seinen Namen verdankt. Gleichwohl zieht Bauer die Spanne zur Tierwelt und denkt dabei an, wen auch sonst, Schildkröten, die sich ihr ganzes Leben lang doch recht schwerfällig fortbewegen, aber weit über hundert Jahre alt werden. Wieso also Sport treiben? Stephan Bauer fehlt die Motivation in jedem Fall und stellt Sie damit vor die Wahl: »Sport oder Leben«?
Der frische Erzählstil Bauers und die Tatsache, dass er sich ganz offensichtlich selbst so gar nicht ernst nimmt, lassen einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen. In der ganz und gar selbstironischen Satire schlägt er den Bogen von Anekdoten aus seiner Jugend über die schlechte deutsche Ernährung bis hin zu den Kochsendungen, von denen der sogenannte Otto Normalverbraucher sicher nicht ein einziges Rezept nachkochen könne, weil die Zutaten, die verwendet werden, meistens mehr kosten als ein neuer Fernseher. Stephan Bauer stellt auf herrlich respektlose Art und Weise die Frage, wieso man sich dem Leistungssport hingeben sollte. Warum sollte man einen dreieinhalb Stunden langen Marathon laufen, wenn man in derselben Zeit in den Süden fliegen könnte? Warum redet ein jeder die deutsche Küche schlecht, wenn sie doch im Grunde so viel bietet?
Der in Stade geborene Kabarettist holt somit zum Rundumschlag gegen alles aus, was ihm nicht so recht in den Kram passt, sei es der Grieche mit dem italienischen Restaurant, das besser besucht ist als jeder deutsche Gasthof, wo das Essen aber nicht annähernd so gut schmeckt, oder die große Einkaufsmall, bei der man die exotischsten Gemüsesorten kaufen kann, die auf »Mutter Erde« zu finden sind, aber das Kraut, was im heimischen Wald oder Garten wächst, beim besten Willen nicht bekommt.
Alles in allem schafft Stephan Bauer eine großartige Satire, die sich neben Werken wie Harald Schmidts »Sex ist dem Jakobsweg sein Genitiv. Eine Vermessung« und Dieter Nuhrs »Wer’s glaubt wird selig« keineswegs verstecken muss und die bis zum Schluss immer wieder entscheidende Gründe liefert, warum es besser ist ein Sportmuffel zu sein, denn eine Frage stellt sich für Bauer immer wieder: »Sport oder Leben?«

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Stephan Bauer, dtv, 144 Seiten, ISBN: 978-3-423-21062-1

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