Comic-Rezensionen 10/08
von ori • 25.09.2008 • Kategorien: Allgemein, Comics, RezensionenExterminators 1 – Käferkiller
Ungeziefer – missliebige Mitbewohner eines jeden Haushaltes und somit weitreichendes Betätigungsfeld für Schädlingsbekämpfer. Nein, es ist nicht vom Parteitag der NPD die Rede, sondern von einer neuen Comicserie, die sich mit dem schweren Los einer exotischen Profession beschäftigt - Exterminators.
Autor Simon Oliver wollte ursprünglich eine TV-Serie aus dem nun als Comic vorliegenden Stoff machen. Aufbau und Ablauf der Geschichte erinnern daher sehr an gegenwärtig populäre Fernsehformate neueren Zuschnitts, die gerne als revolutionär für das TV-Seriengenre bezeichnet werden.
Nun ist der Comic – wie sein Verwandter, der Film – zu ganz anderen Leistungen fähig. Und zumindest für ersteren würden wir als einen mit ähnlicher Thematik befassten Stoff (und relevanterer Aussagekraft) den grandiosen »Kakerlakenkiller« vom Team Tardi & Legrand empfehlen.
Nicht, dass »Exterminators« völlig langweilig wäre. Zeichnerisch zwar routiniert und ohne große visuelle Überraschungen in Szene gesetzt von Tony Moore (»The Walking Dead«), enthält die Geschichte die durchaus unterhaltsamen und üblichen Portionen politischer Unkorrektheit, wie sie zurzeit »en vogue« sind. Aber der klischeehafte Sexismus stößt einem dann doch sauer auf – wie sonst ist die Rolle der bösen Konzernchefin mit vermutlich lesbischen Neigungen zu bewerten?
Ach, und das Kästchen mit den vier Schlössern, quasi als »deus ex machina«, ist das Pfefferminz zuviel, wenn Sie verstehen, was wir meinen.
Liebe und andere Lügengeschichten
»Ich wohne seit zwei Jahren mit einer Frau zusammen, die in einem Plattenladen gearbeitet hat. Super, oder? Plötzlich fing sie mit Telefonsex an, und jetzt verdient sie ein irres Geld. Ich habe einen Job, mit dem ich mir gerade mal das Taschengeld verdiene. Wie ein Zuhälter… Wir haben das, was man eine stabile Beziehung nennt.«
Treffende Kurzporträts und sensible Momentaufnahmen sind es, die von der Japanerin Kiriko Nananan in grafischen Vignetten mit dem Titel »Liebe und andere Lügengeschichten« dargestellt werden.
Es geht um zerbrechende Freundschaften, das Ausloten moralischer Grenzen in zwischenmenschlichen Beziehungen und die damit immer wiederkehrende und oft von Selbstzweifeln begleitete Frage: Ist das, was ich tue, eigentlich richtig?
Da Nananan eine kluge Autorin ist, nimmt sie Abstand davon, eigene Moralvorstellungen zu propagieren. So gelingt ihr das Kunststück, ihre Figuren, jede mit individuellen Lebens- und Moralvorstellungen, niemals bloßzustellen.
Die Zeichnungen gemahnen an eine Art reimportierenden Pop-Art-Manga: durchwirkt von stilistischen Einsprengseln Roy Lichtensteins, nachdem sein Artwork in den 70ern als Dekor in die Warenwelt Einzug gehalten hatte. Aber auch an Vertreter einer ähnlich gelagerten Comicästhetik wie Guy Peelaert (»Pravda«) und Alfred von Meysenbug (»Supermädchen«) – überstilisierte Ikonen, die in Welten zwischen Rasterdruck und Zigarettenrauch versuchen, ihren Platz im Leben zu finden.
ori ist Oliver Ristau
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