Das auffangen, was der Staat nicht mehr schafft
von cell • 25.09.2008 • Kategorien: Allgemein, PolitikGemeinnützige Einrichtungen und ehrenamtliche Arbeit sprießen selbst im »mittelständischen« Oldenburg aus dem Boden wie Unkraut. Deren Notwendigkeit bezweifelt schon seit Jahren keiner mehr. Doch obwohl Politiker von Beginn an nicht mit Lob gegenüber Ehrenamtlichen geizten, fehlt ihnen eines doch besonders: praktische Anerkennung.
Praktisch, das bedeutet im Falle der Oldenburger Tafel e.V. drei Sondergenehmigungen für kostenfreies Parken vor dem neuen Sitz in der Kaiserstraße 14. Momentan müssen die Ehrenamtlichen, während sie für die Tafel Lebensmittel anliefern, sortieren oder ausgeben, das Geld für Parktickets selbst berappen (Spendengelder sind hierfür tabu). Die Verwaltung der Stadt Oldenburg stellt sich stur, die Politiker wundern sich über die bescheidenen Wünsche der Tafel, können aber anscheinend nichts ausrichten. Da kann man nur mit dem Kopf schütteln.
Die Motivation der Tafel-Ehrenamtlichen leidet unter der fehlenden Anerkennung durch die Stadt. Dabei ist ihr Tun inzwischen unverzichtbar geworden, was die Zahl der Nutzer alleine der Ausgabestelle (etwa 1.000 bis 1.500 pro Woche bei etwa 30 wöchentlichen Neuanmeldungen) eindeutig zeigt. Einer, der die kostenlose Lebensmittelausgabe in Anspruch nimmt, bringt es auf den Punkt: »Die Tafel und die anderen Einrichtungen fangen das auf, was der Staat nicht schafft. Würde es sie nicht geben, hätten wir sozialen Krieg auf den Straßen.«
Wenn schon der Staat nicht helfend einschreitet, bleibt nur eins: Selbst aktiv werden, um das Leben lebenswerter zu machen. Die Lokale Agenda 21 hat zu diesem Thema kürzlich eine Übersicht mit dem Titel »Oldenburg umsonst!« herausgebracht, in der man erfährt, wo es etwas umsonst oder billiger gibt bzw. wo man gebrauchte Dinge abgeben kann. Hier findet man neben der Oldenburger Tafel weitere Einrichtungen wie etwa das Diakonische Werk oder die TOYS Company. Das Faltblatt ist kostenlos im Internet, im Bürgerbüro Mitte am Pferdemarkt, im Agendabüro in der Industriestraße 1 und demnächst auch an anderen Stellen erhältlich.
Eigenverantwortung ist auch das, was die Nutzer der Oldenburger Tafel von den Ehrenamtlichen vermittelt bekommen. Dass sie diese für sich übernehmen können, beweisen sie unter anderem durch die Einhaltung der ihnen zugewiesenen Ausgabezeiten, die sich jede Woche ändern (nur so ist jeder einmal der Erste).
Wenn Sie auch ein bisschen Verantwortung für Ihre Mitbürger übernehmen wollen, können Sie das zum Beispiel durch die Unterstützung der Oldenburger Tafel tun:
• Mitglied werden (nur 3 Euro monatl. Mindestbeitrag)
• beim Einkaufen fragen, ob die Überhänge an die Oldenburger Tafel gehen
• Ihren Pastor anregen, die nächste Kollekte der Tafel zu spenden
• Erntedankfestgaben einmal anders: Jeder bringt haltbare Lebensmittel mit in die Kirche
• Lehrer können Schulprojekte planen (Basar, Lebensmittel sammeln etc.)
• Hinweise auf Bedürftigkeit weitergeben (wo kann geholfen werden?)
• Obst/Gemüse aus eigenem Anbau spenden etc.
Sie sehen, die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt. Da ist doch bestimmt auch die passende Maßnahme für Sie dabei. Oder Sie nehmen sich den Flyer »Oldenburg umsonst!« vor und schauen, wer außerdem noch Hilfe benötigt.
www.oldenburger-tafel.de | www.oldenburg.de/agenda21
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