Comic-Rezensionen 12/08

von ori • 26.11.2008 • Kategorien: Allgemein, Comics, Rezensionen

»Comic-Typs Buch der Popkultur«

Sollten Sie gelegentlich mal einen Blick in die Fernsehserie »The Simpsons« geworfen haben, so ist Ihnen vielleicht ein sowohl dicklicher als auch bezopfter und bärtiger Mann in dreiviertellangen Hosen aufgefallen – der Inhaber des lokalen Comic-Shops in Springfield, von allen nur »Comic-Typ« genannt.
Charakterlich ist er angelegt als nerdiger Fanboy extremster Ausprägung mit stark entwickeltem Geschäftssinn, der ihn schon als Kind dazu antrieb, seine Actionfiguren wegen sonst drohender Wertminderung niemals aus ihrer Blisterpackung herauszunehmen.
Das hübsch aufgemachte Büchlein, ein Führer durch die zeitgenössische Populärkultur, ist stilistisch kaum unterscheidbar von diversen Künstlern gestaltet. Damit praktiziert das Simpsons-Universum die langjährige Politik des Disney-Konzerns vom vereinheitlichten Erscheinungsbild.
Inhaltlich lebt das Buch viel von der Variation gleicher Witze und schwingt sich selten zu den kenntnisreichen und treffsicheren Genre-Parodien auf, wie sie in den Comics »Bart Simpsons Horror-Show« oder »Simpsons Super-Spektakel« zu finden sind.
Rares Highlight: die Aussage »›The Twilight Zone‹ (eine US-TV-Serie phantastischer Coleur mit irreal-unheimlichen Schlusspointen) wurde nie original ausgestrahlt, sondern war von ANFANG AN eine Wiederholung«, in der sich zu persiflierendes Thema und dessen parodistische Übertreibung gemeinsam begeistert in die komische Fallhöhe stürzen – und tief unten wartet ein Sprungtuch gespannt aus Gänsehaut…

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Matt Groening, Panini Comics, 100 Seiten, ISBN: 978-3-86607-614-3






»The Goon 1: Grobes Zeug«

Das Pariser Theater Grand Guignol bot von Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts Aufführungen »mit bewusst platt-abgeschmackter und blutrünstiger, aber dennoch naiver Darstellungsweise« (Duden Fremdwörterbuch), aus denen später der Horrorfilm hervorging.
Eine inhaltliche Verwandtschaft besteht darüber hinaus zu »The Goon«, der Comicreihe des Amerikaners Eric Powell. Die Geschichten um ein Schlägerduo, das (nur scheinbar) im Auftrag eines Gangsterbosses Tätigkeiten überwiegend strafender Natur ausübt, bestechen durch hemmungslose Brutalität – aber ebensolchen Witz, der erstere ihrer Wirkung beraubt, sie so ad absurdum führt und zugleich deren Sinn in Frage stellt.
Powell nimmt sich hier in unschuldigster und zugleich augenzwinkernder Weise dem Genre des Horror- bzw. Zombie-Subgenres an, versieht alles mit einem Hauch der nach billigem Papier riechenden Krimi-Groschenheftchen und erreicht so (vor allem in der unbetitelten Geschichte über eine Teufelsaustreibung) den oben beschriebenen Effekt, der dem Jugendkriminologen Christian Pfeiffer die Tränen in die Augen treiben dürfte – allerdings nicht unbedingt vor Lachen.
Da »The Goon« chronologisch veröffentlicht wird, lassen sich in den Frühwerken noch Unfertigkeiten im gestalterischen Talent Powells erkennen. Dessen Befähigung offenbart sich jedoch in eingestreuten Rückblenden, die sich mit der Kindheit des Goons beschäftigen und mit greifbarer Plastizität und äußerst lebendiger Farbgestaltung zu beeindrucken wissen.

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Eric Powell, Cross Cult, 88 Seiten, ISBN: 978-3-936480-94-8

ori ist Oliver Ristau
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