Mumins

von ori • 22.12.2008 • Kategorien: Allgemein, Comics, Rezensionen

Als junges Mädchen wurde Tove Jansson von ihrem Onkel gewarnt, dass, wenn sie nicht aufhören würde, die Speisekammer zu plündern, sie sicherlich eines Tages von den Mumintrollen geholt werden würde. Später sollte dieser Name als Titel für ihre erfolgreichen Bücher über eben jene Wesen Verwendung finden. Die in ihrer Kindheit entwickelte Neigung, Muscheln zur Verzierung von Blumenbeeten zu sammeln, erwies sich Jahre darauf bei der Umsetzung des gleichnamigen Comicstrips von ähnlichem Nutzen für sie.

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Leseprobe

Die 1914 geborene und 2001 verstorbene finnische Künstlerin schrieb ihre Mumins-Bücher ursprünglich als Reihe von illustrierten Erzählungen, deren erste, »Mumins lange Reise«, 1945 veröffentlicht wurde. Die an Flusspferde erinnernden drolligen Figuren wurden schnell ein großer Erfolg und zogen eine Zeichentrickserie sowie einen Comicstrip für eine englische Zeitung nach sich, beide von der Erfinderin selbst- oder mitgestaltet. Wegen Überlastung überließ sie ab 1958 einen Teil der Arbeit am Comicstrip ihrem Bruder Lars, der ihn dann 1961 ganz übernahm und bis zu seiner Einstellung im Jahr 1974 fortführte.
Nach in Deutschland eher liebloser und sporadischer Veröffentlichungsweise durch diverse Großverlage und dabei auf die Zielgruppe Kind (bzw. das Marktsegment Zeichentrickfilmbegleitung) ausgerichtet – ein Schicksal, das die illustrierten Erzählungen teilten – gibt es nun endlich eine chronologische Edition des Comicstrips in einer dem Inhalt angemessenen Ausgabe. Denn die Geschichten um die Muminfamilie sind für alle Altersgruppen lesenswert. Nicht nur aufgrund des vermittelten Humanismus und der aus ihm erwachsenden lyrischen Vortragsweise, sondern auch wegen satirischer Spitzen gegen Kunstbetrieb und Gesellschaft, die sich besonders gelungen in der Episode »Mumins an der Riviera« zeigen.
Grafisch nutzt Jansson geschickt die Vorgaben der Veröffentlichungsform des Comicstrips: So baut sie Gegenstände aus der gerade ablaufenden Handlung (wie etwa Gartengeräte) als die Einzelbilder der jeweiligen Folgen voneinander trennende und dabei gleichzeitig verbindende Elemente ein – dies erinnert an das eingangs erwähnte Verzieren von Blumenbeeten im Kindesalter; ein erster Hinweis auf ihr Talent, das sich später bei der Gestaltung kunstvoller Panels entfaltete. Die zeichnerisch reduzierte Darstellung der Figuren vor detaillierten, mitunter geradezu opulenten Hintergründen bildet darüber hinaus einen reizvollen Kontrast und verweist sinnbildlich auf die Grundaussage von Janssons Werk: der Wert eines einfach gestalteten Lebens trotz widriger und komplizierter Umstände.

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Tove Jansson, Reprodukt, 96 Seiten, ISBN 978-3-941099-04-3

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