Comic-Rezensionen 02/09

von ori • 26.01.2009 • Kategorien: Allgemein, Comics, Rezensionen

»Silbermond über Providence 1 – Kinder des Abgrunds«

1880: Sheriff James Stuart (!) versucht im beschaulichen Städtchen Providence mit Hilfe der Notarsgehilfin Cathy Gatling mehrere mysteriöse Mordfälle aufzuklären. Dabei stellen sich nicht nur abergläubische Dorfbewohner und selbstherrliche Vigilanten in ihren Weg, sondern auch Gefühlsverwirrungen, hinderliche Haustiere und Tempelritter aus Jerusalem.
Eric Herenguel verbrachte als Kind seine Sonntagnachmittage vor dem Fernsehgerät und sah sich Western an. Seine daraus erwachsene Leidenschaft für das Genre und sein Interesse an Religion und Mystizismus führten zu diesem Comic: ein phantastischer Western mit einem Schuss Ironie.
Diese Thematiken werden in eine zurückhaltende Kolorierung übersetzt, deren heitere Pastellfarben gelegentlich von kräftigeren, satten Farbakzenten konterkariert werden. Der Zeichenstil setzt diese Verfahrensweise fort: Trotz seiner Nähe zur realistischen Darstellung weist er karikaturistische Einflüsse auf.
Der Anhang mit vielen Hintergrundinformationen rundet diesen gelungenen Comic ab. Als Extra gibt es zudem einige der von Herenguel geschätzten Filme als Plakate (u.a. »Winchester 73«) und Filmstandbilder (»Die Nacht des Jägers«) in von ihm gezeichneten Versionen zu bestaunen.

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Eric Herenguel, Splitter Verlag, 72 Seiten, ISBN: 978-3-940864-79-6





»Ich bin Legion«

Die Verknüpfung phantastischer Inhalte mit Ereignissen aus der Geschichte birgt immer die Gefahr der Verfälschung oder Verharmlosung in sich. Besonders heikel wird es in diesem Genre jedoch, wenn die ehemaligen nationalsozialistischen Machthaber Deutschlands ins Spiel kommen.
Der französische Autor Fabien Nury und US-Zeichner John Cassaday nutzten für ihr Werk die alte osteuropäische Sage um den Fürsten Vlad Dracula Tepes als Grundlage. Mittels Blutübertragung erlangt dieses vampirische Wesen die Herrschaft über diverse Wirtskörper und infiltriert und manipuliert dadurch die Regierungskreise der sich miteinander im Krieg befindlichen Länder Großbritannien und Deutschland.
Dabei wirkt nicht nur die Darstellung einer historischen Person wie der des Admirals Canaris als Friedensmissionar äußerst fragwürdig. Vor allem die Kernaussage, dass alle Beteiligten Blut an ihren Händen hätten, relativiert die Singularität der Verbrechen des Deutschen Reiches und reduziert dessen Rolle auf die einer Krieg führenden Nation unter vielen.
Nury hat bereits in seiner Serie »W.E.S.T.« alternative Realitäten behandelt, begab sich dabei aber auf unverfänglicheres Terrain. Das überragende Talent Cassadays (»The Planetary«), der einer realistischen und stark vom Cinemascope-Stil des Kinos beeinflussten Darstellungsweise verpflichtetet ist, wird hier verschenkt. Diese Tatsache wird durch das beeindruckende Panel, in dem das Leid unzähliger Opfer sich nur durch die dem Betrachter entgegen gestreckten Hände hinter Gitterstäben offenbart, anschaulich belegt.

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Fabien Nury/John Cassaday, Cross Cult, 144 Seiten, ISBN: 978-3-936480-66-5

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