Comic-Rezensionen 03/09

von ori • 25.02.2009 • Kategorien: Allgemein, Comics, Rezensionen

»Engel«

Engel sind im Lauf der letzten Jahre in der zeitgenössischen Populärkultur zu neuen Ehren gelangt. Ob das mit dem religiösen Rollback in Folge der letzten zeitgeschichtlichen Entwicklungen zusammenhängen mag, lassen wir mal dahin gestellt. Als Vehikel für phantastische Bildererzählungen müssen sie jedoch nicht das erste Mal herhalten, wie wir seit Anges »Das verlorene Paradies« wissen.
Im Gegensatz zu diesem eher einer realistischeren Darstellungsweise verpflichteten Werk bewegt sich die Grafik des französischen Comics »Engel« im Bereich des so genannten »Funnys«. In ihm ringen possierliche Engel mit ebenso niedlichen Dämonen in Kirchen oder Klosterschulen um das Seelenheil ihrer irdischen Schutzbefohlenen.
Technisch versiert ausgeführt von Zeichner Bouiscommun und darüber hinaus bildhübsch koloriert, würden vermutlich vor allem die Dämonen als Serie von Postern oder Sammelkarten ihren Produzenten hohe Umsätze bescheren. Das Szenario Dieters lässt jedoch oftmals den Humor der Zeichnungen vermissen, was das Ganze dann leider doch unausgewogen erscheinen lässt.
Eine verwandte Thematik weist übrigens die deutsche Comicalbenreihe »Schindelschwinger« aus den siebziger Jahren auf. Nicht nur der Zeichenstil ist dem eines Michael Ryba ähnlich – die Figuren dieser Geschichten wurden ursprünglich für eine Serie von Aufklebern konzipiert.

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Dieter / O. G. Bouiscommun, Ehapa Comic, 168 Seiten, ISBN: 978-3-7704-3236-3






»Biomega«

Netzwerkgene, Siliziumleben und die Megastruktur bilden die Parameter für die düsteren Welten des Tsutomu Nihei. Angesiedelt inmitten einer Furcht einflößenden Architektur und von alptraumhaften Unwesen bevölkert, erinnert einen sein Werk mitunter an den französischen Comiczeichner Phillipe Druillet.
Umgesetzt in skizzenhafte Schwarzweißbilder voll großflächiger Schraffuren, entsteht so vor den Augen des Betrachters das Panoptikum einer zerfallenden Welt, in der undurchsichtige Regierungsbehörden und übermächtige Firmen tragende Rollen in einem apokalyptischen Szenario spielen, das von einem die Menschheit infizierenden Virus aus dem All handelt.
»Biomega« hat mit Niheis erfolgreichem Vorgänger »Blame« die erneut eine Rolle spielende Firma Toho als Anknüpfungspunkt aufzuweisen. Die Geschichte ist jedoch nicht ganz so unlinear und assoziativ erzählt wie »Blame« oder »Snikt!«, Niheis für Marvel Comics über die Figur Wolverine entstandene Auftragsarbeit.
Letztlich scheint die erzählerische Komponente für Nihei aber nur als Vorwand oder Ausgangspunkt für seine künstlerisch souverän umgesetzten Untergangsphantasien zu fungieren, die im vorliegenden Band durch die entschlackte Erzählstruktur wesentlich mehr an Geschwindigkeit und Effektivität gewinnen.

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Tsutomu Nihei, Egmont Manga & Anime, 224 Seiten, ISBN: 978-3-7704-6985-7

ori ist Oliver Ristau
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