»Komm zurück, Mutter« & »Die drei Paradoxien«
von ori • 26.03.2009 • Kategorien: Allgemein, Comics, RezensionenDer amerikanische Autor und Zeichner Paul Hornschemeier erzählt vom Heranwachsen – mit musikalischen Bezugspunkten. Bewegt sich »Komm zurück, Mutter« noch in ruhigeren Bahnen wie eine schwermütige Symphonie, fällt in »Die drei Paradoxien« eine wilde Expressivität und ein Hang zum Zitat-Pop auf.
Der musikalische Einfluss in »Komm zurück, Mutter« rührt daher, dass Hornschemeier bei seiner Arbeit daran Musik des russischen Komponisten Tschaikowsky und der isländischen Band Sigur Rós hörte. Deren oft von Melancholie geprägte Kompositionen zeigen deutlichen Niederschlag in der Handlung dieser grafischen Erzählung.
Thomas muss erfahren, dass seine Familie sich nach dem Tod der Mutter langsam auflöst. Sein Vater scheint unfähig, mit dem Verlust seiner Frau und den Belastungen des Alltags fertig zu werden. Er wird depressiv und kommt in eine psychiatrische Klinik. Die Erziehung von Thomas übernehmen daraufhin dessen Tante und Onkel. Doch der Junge läuft weg und versucht, seinen Vater zu befreien. Bei einem anschließenden Gespräch mit ihm erfährt er von der Rolle, die dieser beim Tod der Mutter spielte und es folgt eine noch größere Tragödie…
Ohne künstliche melodramatische Überhöhungen entfaltet sich ein überzeugendes Porträt des alltäglichen Lebens, das durch einen simplifizierten Zeichenstil und gedeckte Farbgebung überzeugt – Existenzielles in Moll.
Den Alltag eines Comiczeichners unter weniger dramatischen Umständen erzählt das in Teilen autobiografische Werk »Die drei Paradoxien«. Paul ist bei seinen Eltern zu Besuch und macht einen langen Spaziergang mit seinem Vater. Auf dem Weg drängen sich wiederholt Kindheitserinnerungen und Teile des Comics, an dem Paul arbeitet, in dessen Bewusstsein. So entsteht vor den Augen des Lesers das ausdifferenzierte Psychogramm einer unsicheren Persönlichkeit.
Das von Hornschemeier dabei angewandte künstlerische Repertoire nutzt kenntnisreich die Vielfalt der Comics: von mit Bleistift skizziertem Rohmaterial über Siebdruck in zartbunten Farben, beides in seiner gekonnten Unfertigkeit korrespondierend mit dem Thema der frühen Jugend, bis hin zum Fake eines alten Comicheftes oder vergilbten Seiten als Ausdrucksmittel für Vergangenes und Verdrängtes – veranschaulichter Sampling-Pop.
Paul Hornschemeiers Arbeiten weisen eine geistige Verwandtschaft zur Kunst der Musik auf – durch Bilder, die man fast zu hören glaubt.
ori ist Oliver Ristau
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