Comic-Rezensionen 05/09

von ori • 27.04.2009 • Kategorien: Allgemein, Comics, Rezensionen

»Spider-Man # 60«

Im letzten Monat erschien die Nr. 60 von »Spider-Man«. Den Titel zierte nicht wie so oft ein gemeingefährlicher Schurke, sondern Barack Obama. Der wird darauf vom freundlichen Netzschwinger kumpelhaft angefrotzelt:
»Hey, wenn du auf meinem Cover bist, darf ich dann auf eine Dollar-Note?« Das hat sich für Marvel ausgezahlt: Die erste Auflage der Originalausgabe war bereits vor ihrem Erscheinen durch Vorbestellungen vergriffen und der Medienrummel immens.
Die Geschichte ist eher dünn, kommt im modischen Airbrush-Look daher und handelt vom Versuch des Chamäleons, als Obama-Double während der Amtseinführung die Präsidentschaft der USA zu erlangen – was Obama und Spidey als klassisches Superhelden-Team-Up zu verhindern wissen.
Es scheint so, als ob Marvel endlich wieder Freude am US-Präsidenten gefunden hat. Noch im Dezember 2001 hatte man in der Story »No Limits« ausgerechnet den schießwütigen Vigilanten »The Punisher«, der den republikanischen Way of Life im Marvel-Universum verkörpert, zum damals amtierenden und ziemlich angetrunkenen Präsidenten geschickt, um ihm folgendes mitzuteilen: »Neun Millimeter. Weiter weg bin ich nie.«
Hoffen wir also, dass Obama seinen Job besser erledigt.

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Zeb Wells/Todd Nauck, Panini Comics, 52 Seiten






»From Hell«

Nachdem Alan Moore erneut eine unkongeniale Verfilmung eines seiner Werke hinnehmen musste (»Watchmen«), sieht man an der Wiederveröffentlichung von »From Hell«, dass seine Geschichten auf das Engste mit der medialen Form verknüpft sind, in der sie bevorzugt stattfinden – dem Comic.
»From Hell« beschäftigt sich mit den im England des späten 19. Jahrhunderts stattgefundenen Morden an einer Reihe von Prostituierten, deren bis heute unbekannten Mörder die Presse alsbald »Jack the Ripper« zu titulieren pflegte. Doch was vordergründig wie ein Kriminalstoff daherkommt, der ein überstrapaziertes Thema variiert, entpuppt sich als eine Anamnese der Krankheiten des 20. Jahrhunderts.
Genau wie der anonyme Frauenmörder setzen die beiden Künstler ihre Skalpelle an, um die Anatomie gesellschaftlicher Hierarchie en détail freizulegen. Die schwarzweißen Skizzierungen Eddie Campbells, deren dargestellte Objekte sich immer wieder in diffusen Hintergrundschraffuren verlieren, zeigen so in visueller Präzision die mitunter unheilvolle Synthese von Subjekt und Soziotop.
Eine Leistungsschau der Möglichkeiten des Mediums, deren Inhalt weit über die Ripper-Thematik hinausweist und zudem ein perfekter Thriller, der eine plausible Theorie zur Identität des Mörders bietet.

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Alan Moore/Eddie Campbell, Cross Cult, 604 Seiten, ISBN: 978-3-936480-53-5

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