Loveless – I: Blutrache & II: Begraben in Blackwater
von ori • 26.05.2009 • Kategorien: Allgemein, Comics, RezensionenDas Genre des Westerns transportierte in seiner Blütezeit das Bild vom mutigen Pionier, der bei der Erschließung neuer Territorien allen Gefahren trotzt. Abgesehen von einigen Ausnahmen erfuhr dieses Ideal in seiner filmischen Darstellung kaum Kritik. Erst mit dem Italo-Western und in den New-Hollywood-Produktionen der 70er-Jahre veränderte sich dieses Bild und bereitete so den Boden, auf dem heute realistischere TV-Serien wie »Deadwood« gedeihen.
Im Medium Comic ist inhaltlich ein ähnlicher Verlauf zu beobachten: von Zeitungsstrips der 50er-Jahre à la Stan Lyndes »Rick O’Shay« und neben den Superhelden ein Nischendasein fristenden Serien wie Marvels »Rawhide Kid«, die relativ unkritisch Klischees von tapferen Westmännern reproduzierten, über Hermanns »Comanche« und DCs »Jonah Hex« mit ihren gebrochenen Helden bis hin zu Vertigos »Loveless«, das die pessimistische Weltsicht von »Deadwood« teilt.
Das kreative Team, das für »Loveless« verantwortlich ist, hatte bereits an der langlebigen Horror-Serie »Hellblazer« mitgewirkt. Die zynische Haltung ihrer Hauptfigur John Constanine findet sich bei Wes Cutter, einem ehemaligen Südstaaten-Soldaten, wieder – nur dass hier dem Leser die Möglichkeit der positiven Identifikation versagt wird.
Cutter, der nach dem Krieg in seine Heimatstadt Blackwater zurückkehrt, um sein Haus wieder in Besitz zu nehmen, findet dieses von Nordstaatlern besetzt vor. Das Land leidet unter den Folgen des Sezessionskrieges; Freiheit und Gleichberechtigung der ehemals als Sklaven gehaltenen Afroamerikaner existieren bestenfalls in Abraham Lincolns Kopf. Ausgerechnet Cutter, der im Krieg an grässlichen Massakern teilnahm, wird vom Statthalter der Sieger zum Sheriff Blackwaters ernannt. Von den Bewohnern gehasst, zwischen rachegetriebenen Ex-Sklaven und brutalen Soldaten, ehemaligen wie aktiven, verfolgt er mithilfe seiner im Krieg missbrauchten Frau Ruth eigene Pläne…
Die zeichnerische Umsetzung dieses nihilistischen Szenarios über die blutige Vergangenheit der USA von Autor Brian Azzarello (»100 Bullets«) wird von Marcelo Frusin leider etwas routinierter als in seinen ansprechenden »Hellblazer«-Arbeiten besorgt. Werther Dell’Edera erinnert stilistisch in seiner Kargheit an die klassische italienische Fumetti-Schule, den grafischen Höhepunkt liefert jedoch Danijel Zezelj, dessen nur spärlich kolorierter Beitrag voll großer schwarz getuschter Flächen der Geschichte eines von der Liebe verlassenen Landes die passenden Bilder liefert.
Brian Azzarello/Marcelo Frusin/Danijel Zezelj/Werther Dell’Edera, Panini Comics, I: 132 Seiten, ISBN: 978-3-86607-621-1, II: 172 Seiten, ISBN: 978-3-86607-776-8
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