Alleinerziehend in Oldenburg
von cell • 27.05.2009 • Kategorien: Allgemein, PolitikUnsere Gesellschaft befindet sich in einem Strukturwandel. Das macht sich natürlich auch in Oldenburg bemerkbar. Überalterung, steigende Zahlen geschiedener bzw. getrennt lebender Menschen und Ein-Personen-Haushalte sowie die zunehmende Verschlechterung der Lebenssituation in Teilen der Bevölkerung verdeutlichen die negativen Folgen dieser Entwicklung.
Alleinerziehend ist heute eine weit verbreitete Lebenssituation. Es ist eine andere Form des gängigen Familienmodells, das aber ebenso bestimmte Strukturen besitzt, in der Öffentlichkeit aber nach wie vor nicht wirklich wahrgenommen wird. In Großstädten lebt fast die Hälfte aller Kinder im Haushalt eines Elternteils. Seit den 70er-Jahren hat sich die Zahl der Singles mit Kind in Deutschland verdreifacht. Mehr als ein Drittel aller Haushalte von Alleinerziehenden ist einkommensarm. Die Armutsquote ist hier viel höher als bei Paarhaushalten mit Kindern. Und die Armutsbetroffenheit nimmt mit steigender Kinderzahl zu.
Was ist zu tun? Viele Alleinerzieher verbindet eine unzureichende wirtschaftliche Lage, sodass sie und ihre Kinder auf staatliche Leistungen angewiesen sind. Die steigende Zahl von alleinerziehenden Familien erfordert eine besondere Anerkennung und Rücksichtnahme auf deren spezielle Lebensumstände durch die Politik und die Wirtschaft, von denen dieses Thema bisher nicht ausreichend angegangen wurde. Viele Alleinerziehende sind gut qualifiziert und wollen arbeiten, doch das scheitert oft daran, dass sich Betriebe nicht auf alleinerziehende Arbeitnehmer einstellen wollen oder können.
Es gibt zwar einen Preis, mit dem die Stadt Oldenburg familienfreundliche Unternehmen auszeichnet, den »Olly«, doch diese Familienfreundlichkeit können sich in erster Linie nur große Betriebe leisten. Wichtig wäre es aber, verstärkt kleineren Unternehmen zu ermöglichen, familienfreundliche Personalpolitik zu betreiben und sie an Modelle wie Job-Sharing oder Gleitzeit heranzuführen.
Die Lokale Agenda 21 beschäftigt sich mit nachhaltigen, zukunftsfähigen Themen. Dazu passt ein Thema wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf natürlich. Im April wurde die neue Agendagruppe »Alleinerziehend« gegründet, die sich eben diesem Schwerpunkt widmen will. Die Gruppe möchte dem Familienmodell »Alleinerziehend« einen öffentlichen Raum geben, Bedürftigen Gehör verschaffen und sie unterstützen. Sie hat sich vorgenommen, die Situation von Einelternfamilien zu verbessern und hat dabei nicht nur das Wohl der Kinder im Fokus, sondern möchte auch den betroffenen Müttern und Vätern in allen Lebenslagen helfen – ob es das Haushaltseinkommen und die Versorgung betrifft, die Integration in den Arbeitsmarkt oder die Bildungs- und Arbeitssituation der Betroffenen.
Erreichen will die Gruppe dies durch den Aufbau eines Informations-, Beratungs- und Selbsthilfenetzwerkes. Denn ohne ein Netzwerk ist jeder Alleinerziehende aufgeschmissen. In einem afrikanischen Sprichwort heißt es nicht ohne Grund: »Um ein Kind zu erziehen, braucht man ein ganzes Dorf.«
Doch zunächst geht es darum, Ideen zu sammeln und Gleichgesinnte zusammen zu bringen. Hierzu fanden schon einige Treffen statt. Aber die Agendagruppe ist noch klein. Die beiden Initiatorinnen, Iris Klimmek Ogoo und Marlies Söhlke, suchen tatkräftige Mitstreiter/innen. Kontaktaufnahme bitte über das Agendabüro: www.oldenburg.de/agenda21.
cell ist Claudia Ellebrecht
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