Das Oldenburger Bahnhofsviertel: Sanierung oder Stadtreparatur?
von alf • 26.06.2009 • Kategorien: Allgemein, Kultur, PolitikIm Zuge der Sanierungsplanungen für das Bahnhofsviertel findet seit Juli 2007 die Bürgerbeteiligung in Form eines Sanierungsforums statt, in dessen Rahmen Aspekte der zukünftigen Gestaltung des Quartiers diskutiert werden. Unter der Leitung von Stadtbaurat Dr. Frank-Egon Pantel und Vertretern des Stadtplanungsamtes sowie der Mitwirkung von Verantwortlichen aus der Politik soll eine Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern, insbesondere der Anwohner und Unternehmen im Sanierungsgebiet, gewährleistet werden.
In diesem Rahmen fand am 5. und 6. Juni ein Workshop für geladene Teilnehmer unter Mitwirkung regionaler und überregionaler Architekturbüros, die sich an einem Architekturwettbewerb der Stadt Oldenburg beteiligen, statt. Hierbei wurden Anforderungen an die Gestaltung eines Platzes diskutiert, der im Bereich der Bleicherstraße angesiedelt werden und als Teil einer geplanten Querverbindung durch das Bahnhofsviertel fungieren soll, die vom neuen Theater an der Klävemannstraße über die Kaiserstraße vorbei an der Kulturetage bis zur Rosenstraße verlaufen wird. Bei den geplanten Sanierungsarbeiten handelt es sich nicht um eine grundlegende Umstrukturierung des Viertels, sondern sie folgen laut Rahmenplan der Stadt Oldenburg dem Prinzip der »Stadtreparatur«.
Auf dem letzten Forumstreffen am 9. Juni wurden die Ergebnisse des Workshops präsentiert: Die umfangreichen Überlegungen beinhalten Aspekte wie Raumplanung, Wohnraumnutzung, zukünftige Ansiedlung von Unternehmen aus Kultur und Wirtschaft sowie ästhetische Erwägungen. Den Experten und Anliegern geht es dabei um eine Steuerung des Sanierungsprozesses und den Erhalt des eigenständigen Flairs des Quartiers. Die bereits seit Jahren präsente Kulturszene des Viertels wird dabei als Impulsgeber für Entwicklungspotenziale gesehen. Stellvertretend für die zahlreichen Einrichtungen seien die Theaterszene, das soziokulturelle Zentrum Kulturetage und der Bürgersender oeins genannt, die für Synergie-Effekte in den Bereichen Gastronomie, Kunst und neue Medien sorgen können. Im Fokus der Planungen steht eine gemischte Nutzungsstruktur, Wohnen und Dienstleistung sollen parallel existieren, allerdings in einem sozialverträglichen Maße, das die unterschiedlichen Bedürfnisse der Anlieger berücksichtigt.
Ansässige Kulturschaffende beklagen indes, dass diese ursprünglich als »Kulturpfad« konzipierte Achse der Vielfalt der kulturellen Szene des Quartiers nicht gerecht werde, die beispielsweise abseits gelegene Galerien und Werkstätten außer Acht ließe. Die Kulturetage, seit über 20 Jahren im Bahnhofsviertel, wünscht sich bezüglich der Sanierungsvorhaben eine Vernetzung aller Menschen im Quartier und damit verbunden eine Entwicklung kreativer Aktionen und Visionen. Ein gemeinsames »Wir-Gefühl« solle helfen, die Chancen und Risiken der Veränderung mitzugestalten, damit das Bahnhofsviertel eine eigene Identität ausbilden bzw. beibehalten könne. Die Kulturetage möchte diesbezüglich die Planungen prozessorientiert begleiten und durch eigene, bürgernahe und quartiersbezogene Aktivitäten bereichern.
Die Initiatoren des Forums betonen, dass es sich bei den Sanierungsplanungen um ein langfristiges Vorhaben handele, das erst in einigen Jahren abgeschlossen sein werde. Zunächst sollen die im Rahmen des Architekturwettbewerbs eingereichten Sanierungsentwürfe von einer Jury hinsichtlich baulicher Richtlinien und Maßgaben begutachtet und prämiert werden. Sämtliche Ergebnisse des Wettbewerbs können in einer Ausstellung vom 9. bis 24. September besichtigt werden, der Ort steht noch nicht fest. Informationen zu den Bauvorhaben und dem Sanierungsforum finden Sie unter www.oldenburg.de/stadtol/index.php?id=bahnhofsviertel.
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