Gute Aussichten mit muff potter
von abo • 26.06.2009 • Kategorien: Allgemein, InterviewIm April haben sie ihr neues Album veröffentlicht. Nun sind sie auf Tour und spielen am 24. Juli im »gemütlichen Wohnzimmer der Oma« auf dem »Omas Teich Festival« in Großefehn: muff potter. Grund genug für ein Gespräch mit dem Schlagzeuger der Münsteraner, Thorsten »Brami« Brameier.
Euer neues Album »Gute Aussicht« habt ihr in Eigenregie aufgenommen. Warum?
Brami: Wir hätten das Album auch gern wieder mit den Leuten von Universal gemacht, die aber nicht wollten. Und da wir unsere früheren Platten ja auch selbst rausgebracht hatten, schien uns das die beste Alternative. Bislang haben wir das auch nicht bereut. Es läuft!
Wann ist das Arbeiten an einer Platte eigentlich angenehmer? Ist man ohne Plattenfirma befreiter oder vielleicht auch »pingeliger«, da man nun mehr Verantwortung trägt?
Brami: Schwierig zu beantworten. Unsere Herangehensweise wurde eigentlich nicht beeinflusst. Entspannter ist man aber, glaube ich, trotzdem mit Plattenfirma im Rücken, die sich um den Promokram usw. kümmert. Das ist halt zusätzliche Arbeit, die jetzt von uns parallel gemacht werden muss. Obwohl wir natürlich auch Leute haben, die uns unterstützen. Jedenfalls denke ich, dass die Platte auch mit Label genauso geklungen hätte.
Es fällt auf, dass ihr auch auf den Inhalt sehr viel Wert gelegt habt. Die Texte sind toll. Wie kam es, dass ihr über die Landflucht der »Generation Praktikum« ein Lied geschrieben habt?
Brami: Das ist uns spontan eingefallen, als wir zum Songschreiben nach Brandenburg fuhren. Ich meinte zu Nagel, dass es hier ja praktisch nichts gibt außer Bäume ohne Rinde mit Kreuzen davor. Nagel fand das amüsant und so entstand der Text. Auch die Bushaltestelle, die im Song vorkommt, gibt es wirklich! Sie steht in einem Ort namens Körba an einem See – landschaftlich absolut romantisch, aber auch irgendwie extrem trostlos. Jedenfalls ist das auch mein Lieblingstext auf der Platte. Für den Refrain hatten wir ungefähr 1.000 Zeilen, aus denen wir dann ausgesiebt haben. Da gab es die dollsten Sachen wie »Niemand will mehr Pilze sammeln, alle wollen im Club rumgammeln« etc.
Wie würdet ihr »Gute Aussicht« im Vergleich zu dem letzten Album »Steady Fremdkörper« beschreiben?
Brami: Eigentlich fehlt mir da noch die Distanz, aber ich finde, es ist eine lineare Entwicklung – auch wenn es anders klingt als der Vorgänger. Da sind wir ohnehin nicht festgelegt und entscheiden immer ganz nach Situation und derzeitiger Musikpräferenzen der Band. Wir wissen aber, dass alles, was wir machen, immer nach muff potter klingt. Das ist beruhigend.
Ihr tourt gerade quer durch Deutschland und spielt im Sommer auch auf vielen Festivals. Wie anstrengend ist so ein Tourleben?
Brami: Klar ist es anstrengend – vor allem längere Touren. Neben der körperlichen Anstrengung ist aber die größte Gefahr, in eine Routine zu verfallen. Deshalb haben wir auch schon vor längerer Zeit beschlossen, nicht mehr so lange am Stück wegzufahren, sondern das Ganze in kleineren Portionen zu genießen.
Ist es eigentlich ein großer Unterschied, wenn man den Auftritt auf Festivals mit den eigenen Konzerten vergleicht?
Brami: Das ist eigentlich nicht so anders, denn bei Festivals sind meistens die Leute direkt vor der Bühne, die eben wegen uns da sind. Anders war es z.B. bei den Ärzte-Shows im letzten Jahr. Da haben wir ja quasi ausschließlich vor Ärzte-Fans gespielt. Macht aber enorm Spaß und motiviert, wenn man auch diese Leute mit der Musik erreicht!
Am 24. Juli spielt ihr auch in Großefehn auf dem »Omas Teich Festival«. Was können die Leute da von euch erwarten?
Brami (grinst): Nicht viel. Wir werden höchstens 15 Minuten spielen können, weil wir von unserem Bühnentechniker, der aus Aurich stammt, auf eine nächtliche Wattwanderung zur Insel Baltrum eingeladen wurden. Sorry.
abo ist Anna-Lena Borchert
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super interview, sehr lesenswert. muss da unbedingt mal reinhören