»Legion Of Monsters«
von ori • 25.09.2009 • Kategorien: Allgemein, Comics, RezensionenAls der amerikanische Comic-Heft-Verlag Marvel, vornehmlich im Superhelden-Bereich aktiv, in den 70er-Jahren im lukrativen Magazin-Geschäft mit erwachseneren Themen Fuß fassen wollte, entstanden unter der Ägide einiger der talentiertesten Künstler jener Zeit Neuinterpretationen und -kreationen von Horrorfiguren, die jetzt als »Legion Of Monsters« ein Comeback erleben.
Man-Thing, Morbius, Satana und Werewolf By Night sind Eigenkreationen des Verlages; aber auch recht freie Variationen von bereits populären Figuren der Fantastik wie Frankensteins Monster, Dracula oder der Mumie kann man in dieser im Original in vier Ausgaben erschienenen Serie finden, deren deutsche Gesamtausgabe nun vorliegt.
Wie so oft im amerikanischen Comicgeschäft ist das Ergebnis bei Figuren, die ähnlich wie Franchises großer Einzelhandelsketten oder Restaurants gehandhabt werden, vom jeweiligen kreativen Team abhängig – und in dieser Mini-Serie von Einzelausgaben, die nur der thematische Oberbegriff »Marvel-Horror der 70er-Jahre« verbindet, schneiden die Autorenzeichner deutlich besser ab als ihre im Team arbeitenden Kollegen.
Was aus dem Monster von Frankenstein wurde, das in den 70ern neben Dracula zu Marvels innovativeren Veröffentlichungen zwischen Trendanbiederungen wie Disco-, Kung-Fu- oder Kiss-Comics zählte, erzählt Skottie Young. Sein Zeichenstil, der wie Wachsmalerei wirkt, ist dabei aufregender als die Story selbst. Simon Garth, einem Zombie, der übrigens als einzige der Figuren bereits in den 50er-Jahren sein Unwesen trieb, widmet sich Ted McKeever. Er hat seinen sonst sehr expressiven Strich geglättet und bleibt dabei leider unter seinen Möglichkeiten. Der Höhepunkt kommt eindeutig von Jonathan Hickman, der in seiner Interpretation der Mumie als zum Leben verdammte Kreatur Texte zwischen Lyrik und Geschichtslektion in sandfarbene Wüstenbilder umsetzt, die von schwarzweißer Todessehnsucht durchwirkt sind.
Der Rest ist das übliche bombastische und leblose Breitwandkino, das man nicht nur von Marvel zur Genüge kennt. Was, verglichen mit den Anfängen von klassischen Serien wie Steve Gerbers und Mike Ploogs Man-Thing oder Marv Wolfmans (sic!) und Gene Colans Dracula, besonders schade ist, weil deren Niveau hier nicht erreicht wird und somit auch die Chance vertan wurde, diese interessanten Figuren neu zu etablieren.
ori ist Oliver Ristau
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