Comic-Rezensionen 11/09
von ori • 27.10.2009 • Kategorien: Allgemein, Comics, Rezensionen»Drüben«
Die diesjährige Oldenburger Kinderbuchmesse hat, beginnend kurz vor dem zwanzigsten Jahrestag des Mauerfalls, ihren Fokus auf verschiedene Aspekte dieses Themas gerichtet. Zeitnah dazu erscheint der Comic »Drüben«, das Buchdebüt des sonst überwiegend als Illustrator tätigen Simon Schwartz, der hier seine Erfahrungen als Kind im geteilten Deutschland schildert
In Schwarz-, Weiß- und Grautönen wird hier nicht nur Stimmung farblich passend umgesetzt. Auf Seiten, die nie mehr als vier gleich große Panels enthalten und ein Gefühl von reglementierter Struktur vermitteln, spiegelt diese Art des Seitenaufbaus das Lebensgefühl der Protagonisten in einem unfreien System ebenso, wie die vorgebliche Naivität von Schwartz’ Zeichenstil die einfache Sichtweise des Kindes wiedergibt.
Das Empfinden des mit den zeitgeschichtlichen Hintergründen von »real existierendem Sozialismus« und »goldenem Westen« vertrauten Lesers wird ebenfalls dem dualen Prinzip unterworfen. Die Sequenz, in der die gerade in Westberlins U-Bahn fahrende Familie von einem Fahrgast zwanzig Mark überreicht bekommt, kann als wohltätige oder herablassende Geste interpretiert werden und macht dadurch Teilung nachvollziehbar.
»The Surrogates«
Hollywood kränkelt: Greint man nicht gerade über geschäftsschädigende Downloads, werden mittelprächtige Remakes großer Klassiker gedreht oder Comicvorlagen verfilmt. So auch »The Surrogates«, das, kaum erschienen, auch schon für die Leinwand adaptiert wurde.
Robert Venditti und Brett Weldele legen denn auch ein Werk vor, das sonst vermutlich kaum die Aufmerksamkeit erlangt hätte, die ihm nun widerfährt. In naher Zukunft vernetzen die meisten Menschen ihre Körper mit so genannten Surrogaten, die es ihnen ermöglichen, ein aufregendes Dasein ohne Gefahr für Leib und Leben zu führen – eine Art Sims für Fortgeschrittene.
Venditti, der unter anderem »Watchmen« als Einfluss für seine Tätigkeit angibt, bemüht sich nach Kräften, den Plot à la Alan Moore mit Zusatzkapiteln zu unterfüttern, erreicht dabei aber nur durchschnittliches Niveau. Der expressive Strich Weldeles zitiert bildkompositorisch Bill Sienkiewicz (»Elektra: Assassin«); die figurative Darstellung erinnert an Howard Chaykin zu »Black Kiss«-Zeiten. Annehmbar, aber noch nicht ausgereift; ein Fazit, das man auch dem gesamtem Werk attestieren muss.
Science Fiction wird hier nicht neu erfunden, aber für Hollywood reicht’s allemal.
ori ist Oliver Ristau
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