»Die Platte hat einen Nerv getroffen«
von cell • 26.11.2009 • Kategorien: Allgemein, InterviewMirco Dalos, freischaffender Künstler, Produzent und Filmemacher, hat in Rastede schon vielen Musikern zur CD verholfen. Einige von ihnen, wie etwa der Singer-Songwriter Julius aus Bremen oder die Oldenburger Band Imentu, haben wir bereits im stadtpark vorgestellt. Nun hat er unter dem Namen Koxa (Кожа [russ.]: Haut) die CD »Lebensborn« herausgebracht, ein Projekt, das sich eines vorbelasteten Begriffes bedient.
Das Album »Lebensborn« erschien am 26. September. Wie waren die ersten Reaktionen darauf?
Mirco Dalos: Sie gingen von »Endlich macht das mal jemand« bis hin zu kontroversen Auseinandersetzungen auf verschiedenen Webseiten. Die Platte hat also offensichtlich einen Nerv getroffen. Viele reduzieren das Projekt auf Nazipropaganda, was aber falsch ist. Die so genannten Eliten der SS hatten den Verein »Lebensborn« – was übrigens perverserweise für »Quell des Lebens« steht – zur Züchtung des reinrassigen Ariertypen gegründet. Viele verstehen aber sehr gut, dass der Name »Lebensborn« nur geliehen ist und dass das Album mit den Nazis nichts zu tun hat. Das, worum es in den Songs geht, findet hier und heute statt. Das »Sich-definieren-durch-Arbeit«, also dass du nur dein Daseinsrecht erfüllst, wenn du einer Erwerbstätigkeit nachgehst und Konsument bist, das sehe ich mit immer größeren Bauchschmerzen. Diese Problematik versuche ich mit der CD darzustellen.
Welche Art von Feedback hattest du denn erwartet?
M. D.: Ich habe eher mit eine Mischung aus Ignoranz und »Na ja, schauen wir mal« gerechnet. Das Thema ist nun mal nicht sehr schick. Ich dachte, dass es vielen zu ernst ist. Wenn man so etwas als Party aufbereitet, wie Rammstein es tut, muss man das nicht ernst nehmen. Ich hatte schon Vergleiche mit der Band befürchtet, aber die blieben aus.
Was war zuerst da: die Idee für den Inhalt des Projekts oder der erneute Wunsch, eine gemeinsame CD mit den Musikern zu machen, die du schon produziert hast?
M. D.: Dies ist bereits die zweite Koxa-CD. Diesmal war im Gegensatz zum letzten Album vor zwölf Jahren das Projekt zuerst da, ich hatte bereits neun Jahre daran gearbeitet. Es konnte aber nur jetzt umgesetzt werden, weil viele Musiker bereit waren, daran mitzuarbeiten. Die Musiker haben auch einen hohen Anteil an der CD und haben nicht nur Noten vorgesetzt bekommen. So hat Julius etwa am Stück »Lebensborn« mitgeschrieben oder Jannis Wichmann von Imentu an »Meridian«.
Wie sieht die Zukunft des Projekts aus?
M. D.: Es gibt Pläne, mit »Lebensborn«– angereichert mit Videoprojektionen – 2010 aufzutreten, u.a. auch in Oldenburg, wo wir die Exerzierhalle ins Auge gefasst haben. Wenn alle dabei sind, sind es zehn Leute, das will exakt geplant sein. Und es soll eine Fortsetzung der CD geben. Das Konzept steht bereits und ein erster Song ist in Produktion.
cell ist Claudia Ellebrecht
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