»Was passiert, wenn ein Mensch einfach stehen bleibt?«
von lab • 26.11.2009 • Kategorien: Allgemein, InterviewDiese Frage stellte sich Markus Wulf vor ungefähr drei Jahren. Seitdem hat ihn immer wieder dieser eine Gedanke beschäftigt: Kann ein Mensch einfach stehen bleiben und sein Leben nicht mehr weiterleben – ohne zu sterben? Markus schrieb ein Drehbuch und realisierte in diesem Sommer dann mit Freund und Produzent Amon Thein – Filmemacher und Inhaber der Agentur »schwarzseher« – den Kurzfilm »Walter bleibt stehen«.
Was ist denn nun mit Walter los?
Markus Wulf: Das weiß man nicht so genau. Eines Tages bleibt er eben einfach stehen. An einer Bushaltestellte, deshalb fällt das zunächst auch nicht auf. Irgendwann wird aber dann bemerkt, dass er dort schon eine Weile stehen muss, weil er vom Regen bereits total durchnässt ist. Walter wird ins Krankenhaus gefahren. Dort kann man aber nichts feststellen, denn eigentlich ist ja auch nichts mit ihm; er tut nur nichts mehr. Seine Familie nimmt ihn mit nach Hause, erträgt den regungslosen Walter aber bald nicht mehr. Dann wird die Presse auf den Fall aufmerksam und Leute beginnen, vor dem Haus von Walters Familie zu campieren.
Was bezweckt der Film?
M. W.: Warum bleibt ein gesunder Durchschnittsmensch wie Walter einfach stehen? Kann er, will er nicht mehr? Das sind doch interessante Fragen! Die nächste wäre: Wie geht Walters Umfeld damit um, dass ihn als Menschen nichts mehr ausmacht – eben schlafen, essen, reden oder lachen? Darauf kann es viele Antworten geben und sich zudem eine riesige Debatte um Weltanschauungen aufhängen, wie es im Film schließlich auch passiert.
Wie verlief die Arbeit vor und während des Drehs?
Amon Thein: Sagen wir mal so: Wir haben uns mit diesem Projekt eigentlich überschätzt, aber das durch großen persönlichen Einsatz, Engagement von Freunden und Hilfe von Sponsoren kompensiert. Im Endeffekt waren wir begeistert von der unglaublichen Unterstützung im Vorfeld – der großen Bereitschaft von Oldenburger Unternehmen, uns mit Sach- und Geldwerten zu helfen – und natürlich unseren Freunden und Bekannten, die während des Drehs genauso hart gearbeitet haben wie wir. Insgesamt waren über 190 Leute beteiligt.
M. W.: Amon und ich haben während der acht Tage Dreh wohl kaum ein einziges Mal Schlaf bekommen. Aber da darf man als Regisseur oder Produzent keine Allüren haben. Wir wollen Filme machen, und dann machen wir eben Filme. So einfach ist das.
Was passiert noch bis zur Premiere?
M. W.: Das Material ist da, jetzt muss noch bis Ende des Jahres geschnitten werden, damit wir uns beim ganzen Drehteam und den Sponsoren mit einer feierlichen Premiere unseres Filmes bedanken können.
A. T.: Man kann sich die Frage stellen: Kann ein Film gut werden, der vom Nichtstun handelt? Wir sagen: Er kann.
Nähere Informationen zum Film unter www.walter-bleibt-stehen.de.
lab ist Lara Brünjes
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