Roman: »Das Modell für Laura«

von cell • 31.01.2010 • Kategorien: Allgemein, Literatur, Rezensionen

»Das Modell für Laura«

Muss man alles Profit versprechende Unfertige längst verstorbener Künstler letzten Endes doch veröffentlichen? Vladimir Nabokovs Sohn Dmitri, der 32 Jahre nach dem Tod seines Vaters nun die Fragmente seines letzten unfertigen Romans herausgegeben hat, spricht sich von allen Vorwürfen der reinen Geldmacherei frei.
Nabokov, der hauptsächlich durch seine »Lolita« Weltruhm erlangte, sagte kurz vor seinem Tod, dass der Roman, an dem er gerade arbeite, nie veröffentlicht werden – ja, sogar sofort nach seinem Ableben verbrannt werden solle (vor gleichem Schicksal bewahrte übrigens Nabokovs Frau Jahre zuvor das »Lolita«-Manuskript). Hier widersetzte sich Sohn Dmitri dem Vater und hob die 138 Karteikarten, die nur bruchstückhaft die geplante Geschichte um einen weltberühmten Neurologen und seine junge Ehefrau enthielten, auf. Nach Einschätzung von Dieter E. Zimmer, der die Karten vom Englischen ins Deutsche übersetzte und eine interessante »Nachbemerkung zum Text« hinten anhing, machen diese Karten etwa nur 34 Buchseiten aus. Also fehlen »66 bis 83 Prozent des geplanten Buchs vollständig«. Nabokov-Fans mögen sich an den für ihn typischen metaphernreichen Häppchen erfreuen. Schleierhaft bleibt, wieso man das Abdrucken und Übersetzen dieser Karten als »Roman« veröffentlicht hat.

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Vladimir Nabokov | Rowohlt Verlag | 320 Seiten | 978-3-498-04691-0

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